Seit über einem Jahrzehnt müssen alle neuen Pkw-Reifen im Handel mit einem standardisierten Label gekennzeichnet werden, dass 2021 nochmals überarbeitet wurde. Doch was bedeuten die Buchstaben und Symbole eigentlich, die man in ähnlicher Form auch auf Kühlschränken und Co. findet?
Reifen Simon, Ihr Reifenexperte in Trier, hilft Ihnen, das EU-Reifenlabel zu verstehen und erklärt, warum unabhängige Reifentests und persönliche Beratung unverzichtbar bleiben.
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Was ist das EU-Reifenlabel?
Bereits seit 2012 sind Reifenhändler gesetzlich verpflichtet, Pkw-Reifen mit einem einheitlichen Label zu kennzeichnen. Dieses EU-Reifenlabel, das optisch an die bekannten Energieeffizienz-Labels von Waschmaschinen und Kühlschränken erinnert, soll Verbrauchern eine schnelle Orientierungshilfe beim Kauf bieten und verschiedene Reifenmodelle vergleichbar machen.
Ziel der Kennzeichnung ist unter anderem, durch transparente Informationen Sicherheit, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit im Straßenverkehr zu fördern (Quelle: dasreifenlabel.de). Dafür werden drei Hauptkategorien und zwei witterungsbedingte herangezogen: Kraftstoffeffizienz/Rollwiderstand, Nasshaftung, Externes Rollgeräusch sowie Schneegriffigkeit und Eisgriffigkeit.
So sieht das Reifenlabel aus: die Kategorien im Detail
Das EU-Reifenlabel wurde 2021 überarbeitet und ist nun übersichtlich in verschiedene Bereiche unterteilt. Neben allgemeinen Informationen zu Hersteller und Größe gibt es zwei zentrale Bewertungen: der Rollwiderstand bzw. die Kraftstoffeffizienz (links, Piktogramm: Reifen und Tanksäule) und die Nasshaftung (rechts, Piktogramm: Reifen, Tropfen, Regenwolke).
Darunter befinden sich die Infos zum Rollgeräusch (links) sowie die Kennzeichnungen für Schneegriffigkeit und Eisgriffigkeit. Letztere beiden befinden sich nur auf Winter und Ganzjahresreifen.
In der oberen rechten Ecke befindet sich ein QR-Code, der Verbraucher zur Europäischen Produktdatenbank für Energiekennzeichnung (EPREL) führt, wo Hersteller Detail-Informationen zum Reifen hinterlegt haben.
Die Kategorien im Detail:
Kraftstoffeffizienz (Rollwiderstand)
Die Kraftstoffeffizienz eines Reifens hängt von dessen Rollwiderstand ab. Je höher der Rollwiderstand, desto höher der Kraftstoffverbrauch. Im EU-Label ist die Effizienz in einer Skala von A (beste Effizienz) bis E unterteilt. Der Unterschied zwischen Klasse A und E beträgt circa 0,5 Liter pro 100 Kilometer – also rund 7,5 Prozent (Quelle: ADAC). Da laut ADAC jedoch die meisten Reifen in die Klasse B und C fallen, ist das realistische Einsparpotenzial geringer, als die Einteilung in Klassen suggeriert.
Nasshaftung
Auch die Bewertung von Sicherheit bei Nässe wird in die Klassen A bis E eingestuft. Dazu wird der Bremsweg bzw. der maximale Reibwert zwischen Reifen und Fahrbahn gemessen und mit einem Referenzreifen verglichen. Eine höhere Bewertung bedeutet daher kürzere Bremswege auf nasser Fahrbahn (Quelle: Continental).
Externes Rollgeräusch
Unten links finden sich Angaben zum externen Rollgeräusch, gemessen in Dezibel. Unterschieden wird hier in die Klassen A bis C, wobei A am wenigsten Geräusche verursacht. Über die Geräusche im Innenraum sagt diese Kategorie allerdings nichts aus.
Schnee- und Eisgriffigkeit
Bei Winter- und Ganzjahresreifen kann das EU-Reifenlabel zwei weitere Symbole in der unteren rechten Ecke enthalten. Das Alpin-Symbol (Berg mit drei Spitzen und Schneeflocke) bestätigt, dass die Reifen die Mindestanforderungen für das Fahren auf winterlichen Straßen erfüllen sowie über ein gewisses Brems- oder Traktionsvermögen auf verfestigter Schneedecke verfügen.
Das Dreieck, das an einen schneebedeckten Berg erinnert, weist spezielle Winterreifen aus, die eine Mindestgriffigkeit auf Eis haben. Diese sind in der Regel aber nicht für den Einsatz außerhalb Nord-Europas bestimmt.
EU-Reifenlabel und Reifenkauf: Vorsicht Falle
Trotz der übersichtlichen Darstellung hat das EU-Reifenlabel seine Grenzen. Ein wesentlicher Kritikpunkt: Die Prüfungen werden von der Reifenindustrie eigenständig durchgeführt – der Hersteller klassifiziert seine Produkte also selbst. Es soll lediglich eine stichprobenartige Kontrolle durch die EU-Mitgliedsstaaten geben, doch wie oft diese durchgeführt wird, ist undurchsichtig. Das Label ist also mit Vorsicht zu genießen.
Darüber hinaus fehlen auf dem Label wichtige, sicherheitsrelevante Informationen. So ist zwar die Nasshaftung ausgezeichnet, nicht jedoch die Trockenhaftung, das Verhalten bei Aquaplaning noch Fahreigenschaften oder Traktion bei verschiedenen Bedingungen. Auch die Rollgeräusche im Innenraum – die für den Fahrkomfort entscheidend sind – fehlen. Wichtig ist auch zu verstehen, dass der eigentliche Kraftstoffverbrauch und die Sicherheit von der Person hinter dem Lenker abhängt. Individuelles Fahrverhalten hat einen deutlich größeren Einfluss auf den Verbrauch als die Kraftstoffeffizienz des Reifens.
Beim Kauf eines neuen Satzes Reifen bietet das EU-Reifenlabel also lediglich eine Orientierungshilfe. Ein Ersatz für unabhängige Reifentests und die persönliche Beratung bei Ihrem Reifenhändler kann das Label daher nicht ersetzen.
Fazit: EU-Reifenlabel
Das EU-Reifenlabel bietet eine wertvolle erste Orientierung und ermöglicht einen schnellen Vergleich grundlegender Eigenschaften wie Kraftstoffeffizienz, Nasshaftung und Geräuschpegel. Es ist ein nützliches Instrument, um sich über die grundsätzliche Leistung (in bestimmten Kategorien) eines Reifens zu informieren.
Für eine fundierte Kaufentscheidung sollte das Label jedoch nicht allein herangezogen werden. Die tatsächliche Leistungsfähigkeit eines Reifens hängt von vielen weiteren Faktoren ab, die nur in unabhängigen Tests oder durch fachkundige Beratung bewertet werden können. Bei Reifen Simon stehen wir Ihnen deshalb gerne zur Seite, um gemeinsam den optimalen Reifen für Ihr Fahrzeug und Ihre individuellen Anforderungen zu finden – jenseits der reinen Label-Kategorien.
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